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Dienstag, 12. April 2011

Stille in der Musik

Stille ist schon immer ein besonderes Thema für mich gewesen.
Während ein Orchester spielt, gibt es eine bestimmte Richtung vor, es erzeugt Emotionen und lädt den Zuhörer ein, sich zu öffnen, sich fallen zu lassen.
Aber erst, wenn eine Pause, ein kurzes Innehalten, das Dahingleiten der Musik unterbricht, ist der Zuschauer für sich allein, - kann reflektieren, diese Mischung aus Gehörtem und eigenen Assoziationen verarbeiten, sich zu eigen machen.
Ich glaube, es sind diese Momente, die er letztlich mit nach Hause nimmt.
Wieviel Stille, wieviel gespanntes Ausharren kann man heute einem Publikum noch zumuten?
Ehrlich gesagt, - ich weiß es nicht.
Die heutige Zeit ist bestimmt vom Rhythmus der Schnellebigkeit. Eine Schnellebigkeit, die sich ausgehend vom Arbeitsleben immer stärker auch ins Private eingeschlichen hat.
Wir werden ungeduldig, wenn etwas nicht sofort erledigt wird. Wir reagieren verärgert, wenn eine Email nicht innerhalb einer Stunde beantwortet ist. Wir machen uns die seltsamsten Gedanken, wenn jemand für eine halbe Stunde einmal nicht telefonisch zu erreichen ist. Wir hören Hörbücher, da man so immer noch etwas anderes nebenbei machen kann.
Selbst wenn der Fernseher läuft, sind wir mit anderen Dingen beschäftigt. Wir bügeln, erledigen noch Arbeiten, die in ihrer unermesslichen Wichtigkeit keinen Aufschub dulden. Wir planen, kochen, telefonieren, surfen im Internet, suchen, hetzen, - hetzen durch unserer Leben, nur um am Ende als Rentner festzustellen, wie entfernt wir doch vom Leben gelebt haben, wie wenig wir mit all unserem Tun und Handeln doch eigentlich getan haben.
Das Leben ist ein reich gedeckter Tisch, aber es wäre fatal, zu glauben, man könnte alles auf einmal essen. Wieviel voller ist der Geschmack, wenn wir, anstatt zu schlingen, einmal genüßlich kauen und genießen?
Fast scheint es mir, als ertragen wir den Moment der Stille, des Alleine-Seins nicht mehr.
Sofort kreisen unsere Gedanken um die vielen kleinen Wichtigkeiten, um To-Do-Listen, um Probleme und Lösungen, um Versäumtes, - und wir vergessen zu schnell, dass wir heute leben.
Das Morgen ist für unsere Träume, das Gestern für unsere Erinnerungen, - Doch das Heute ist unser Leben, mit all seinen Facetten und seinem Reichtum.
Nicht Geld bedeutet Reichtum, es ist die Zeit, bewußt und in vollen Zügen das Leben zu genießen.
Lasst Euch fallen in die Musik, befreit euch von allen Gedanken und lasst euch leiten von den Wogen aus Klängen, mal feinfühlig, verhalten, mal voller Kraft und nicht ermesslicher Größe.
Folgt ihr, denn sie führt euch direkt zu euch, - zu euren Wünschen und Bedürfnissen, Freuden und Ängsten.
Sobald das Orchester einen Moment inne hält, der Raum die letzten Klänge für einen Hauch an Zeit bewahrt, entfaltet Musik seine wahre Größe, offenbart sie eure wahre Größe, denn dann werdet ihr ein Teil von ihr, mit euren Gefühlen, Assoziationen, Gedanken, mit eurem Herzen.
Ihr lasst sie auferstehen und bewahrt sie in eurer Erinnerung als ein unvergessliches Erlebnis auf der Reise zu euch selbst.

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